Wahrhaftige Herzlichkeit entwaffnet- in jeder Lebenssituation

Wahrhaftige Herzlichkeit entwaffnet – in jeder Lebenssituation

Weshalb wir hierzulande häufiger lächeln dürfen – über die Tugend der wahrhaftigen Herzlichkeit

“Viel Kälte ist unter den Menschen, weil wir nicht wagen, uns so herzlich zu geben, wie wir sind.”

Albert Schweitzer (1875-1965)

Welche Momente unseres Lebens sind unvergesslich? Sind es nicht die Momente, in denen wir anderen wirklich nahegekommen sind, in denen wir im wahrsten Sinne des Wortes eine Herzensverbindung mit anderen hatten- in denen wir den Wesenskern unseres Gegenübers, -also das, was diesen Menschen unvergleichlich macht-, mit unserem Herzen wahrgenommen und wertgeschätzt haben?

Die Augenblicke, in denen wir anderen unsere Herzlichkeit schenken durften oder die Herzlichkeit eines anderen Menschen empfunden haben, sind unersetzlich.

Sollte wahrhaftige und authentisch ausgedrückte Herzlichkeit auf der Liste der Werte und Tugenden nicht ganz oben stehen?

Dennoch fällt mir ein eigenartiges Phänomen auf:

Wenn wir freundlicher und herzoffener auf andere zugehen, als es hierzulande üblich ist, werden wir schnell misstrauisch beäugt.

Ist diese Herzlichkeit vielleicht nur aufgesetzt, sind wir „zu nett“, sind wir „falsch“- verfolgen wir geheime Absichten, ist diese Herzlichkeit „opportunistisch“- oder sind wir einfach nur dumm – „zu gut für diese Welt“-und lassen uns sogar leicht ausnutzen?  

So heißt es interessanterweise in der Enzyklopädie der Wertvorstellungen: „Innerhalb von dogmatisch geprägten Kulturen wird Herzlichkeit eher als bedenklich oder gar verwerflich angesehen. Viele Menschen, – insbesondere in der deutschsprachigen Kultur – bevorzugen die meist wenig herzliche “Sachlichkeit” beziehungsweise “Rationalität” in der Kommunikation.“

Wahrhaftige Herzlichkeit wird von misstrauischen Mitmenschen also manchmal gleichgesetzt mit wenig rühmlichen Eigenschaften wie Falschheit, Naivität, Unsicherheit, Schwäche und Opportunismus. So lernen wir sehr früh, dass wir – um in einer unterkühlten Welt ernst genommen und respektiert zu werden- am besten sachlich, rational und nicht zu herzlich/ emotional/ freundlich auftreten sollten.

Was passiert mit uns, wenn wir aber einfach mit einer herzoffenen Persönlichkeit auf die Welt gekommen sind und unseren Mitmenschen – trotz aller Unzulänglichkeiten, die allgemein verbreitet sind- zugetan sind und sie das auch gerne spüren lassen?

Wir beginnen, uns nach wiederholten Missverständnissen immer mehr zurückzuziehen und uns unseren Mitmenschen nicht mehr so authentisch herzoffen zu zeigen, wie wir wirklich sind.

Wir sind dann nicht mehr wir selbst. Ist das nicht eine verkehrte Welt?

Wahrhaftige Herzlichkeit, die keinen anderen Zweck verfolgt, als eine wirklich empfundene Wertschätzung zum Ausdruck zu bringen- ist von Natur aus unschuldig und ehrlich-

und eine wertvolle Tugend.

Wahrhaftige Herzlichkeit macht diese Welt zu einem schöneren Ort.

Es ist also durchaus möglich, seinen Mitmenschen gegenüber wahrhaftig herzlich aufzutreten UND dabei gleichzeitig klug abgegrenzt zu sein. Selbstverständlich empfiehlt es sich jederzeit, achtsam und vorsichtig genug zu sein, um das Gegenüber gut einzuschätzen, inwieweit man hier ein Vertrauensverhältnis eingehen möchte.

Wahrhaftige Herzlichkeit ist nicht mit Leichtgläubigkeit gleichzusetzen.

In südlicheren Ländern wird mehr gelächelt und meinem persönlichen Empfinden nach auch mehr Herzlichkeit gezeigt als hierzulande. Nicht umsonst fühle ich mich jenseits des Brenners regelmäßig leichter und unbeschwerter.

Wieviel besser würde es uns gehen, wenn Herzlichkeit eine unantastbare Maxime in unserer Welt wäre? Gäbe es weniger Verbrechen, Konflikte, Krisen, Scheidungen, Intrigen, vielleicht sogar weniger Kriege?

Früher oder später siegt die wahrhaftige Herzlichkeit, denn sie ist IMMER entwaffnend- und kommt vielfach zurück.

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