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Die vielen Masken unseres Egos

Die vielen Masken unseres Egos

Manchmal versteckt sich das Ego ausgerechnet dort, wo wir es am wenigsten erwarten.

Wie sich unser Ego immer wieder geschickt verkleidet und warum diese nicht auf den 1. Blick durchschaubaren Fassaden häufig die Ursachen für hartnäckigste Blockaden in unserem Leben sind.

Streng genommen ist das „Ego“ das, was wir als unser „Ich“ bezeichnen, also die Identifikation beispielsweise mit unserem Namen, mit einem Beruf, mit unserem familiären und gesellschaftlichen Stand, mit unserer Herkunft, mit unserer Bildung, mit unserem Einkommen, mit unserem Aussehen, mit unserem „Erfolg“, mit unserem Alter, mit unserem akademischen Grad, mit unserer Nationalität, etc. All diese Faktoren gelten allgemein als „Identität eines Menschen“.

Diese Faktoren stellen hierzulande regelmäßig die Grundlage für eine geistige Grundlage dar, aus der zumeist das „Denken“ – der Stimme im Kopf, dem „unablässigen Strom unfreiwilliger, zwanghafter Gedanken“ – wie der große Mystiker Eckhart Tolle dieses Phänomen nennt- resultiert.

Eine wichtige Erkenntnis dabei ist:

WIR SIND NICHT UNSERE GEDANKEN.

Ist diese Erkenntnis nicht wunderbar? All die erstaunlichen, häufig unkontrollierbaren, manchmal sogar zwanghaften, immer wiederkehrenden Bilder, Visionen, Ängste, Befürchtungen, Sorgen, unangenehmen Gefühle – die uns durch den Kopf gehen

SIND WIR NICHT.

Sobald wir uns dieser Erkenntnis öffnen und sie bedingungslos in unser Leben integrieren, sind wir frei davon.

Leicht gesagt….

Wir dürfen diese Erscheinungen neugierig beobachten, um sie dann wieder ziehen zu lassen, ohne uns damit zu IDENTIFIZIEREN.

 ABER: Kollektives Kopfzerbrechen wurde uns hierzulande von klein auf anerzogen.

Ja, so hieß es seit Kindertagen schon „Mach Dir mal Gedanken darüber…..“ „Hast Du darüber nachgedacht?“ – wir haben dies integriert und uns sozusagen eine „Kopflastigkeit“ angewöhnt, die häufig kontraproduktiv ist, weil sie uns von unserer ureigenen Essenz- dem zugrundeliegenden Bewusstsein- entfernt.

Das Leben wäre doch so einfach, wenn wir nicht mehr von dieser ewigen Grübelei geplagt wären, die uns tags und nachts verfolgt und Sorgenfalten ins Gesicht treibt- häufig anzutreffen im deutschen Land „der Dichter und Denker“. Hierzulande fällt mir immer wieder auf, wie verbreitet der sorgenvolle Blick bei den Menschen auf den Straßen ist.

Jemand, der lächelnd durch die Straßen geht, fällt hingegen auf und wird manchmal sogar misstrauisch beäugt.

Das Ego in seiner ureigenen, reinen Form ist im Grunde „unschuldig“- es folgt schlicht den Gesetzen von Form und Anziehung.

Das Ego kann erst dann gefährlich werden, wenn wir uns mit seinen Inhalten identifizieren.

Nämlich dann, sobald wir glauben, dass wir dieses Ego sind: Mit all seinen Geschichten, seine Dramen, seinen Höhen und Tiefen. Diese Schwankungen, dass wir zum Beispiel vor Überlegenheit brillieren oder uns auf der anderen Seite so fühlen, als hätten wir aufgrund unserer Minderwertigkeit keine Existenberechtigung- können aus dem Ego resultieren. Lamentieren oder das Gefühl, ein Opfer widriger Umstände zu sein ist eine typische, sehr weit verbreitete Form des Egos.

Das Trügerische: Unser Ego kann unendlich viele Formen annehmen: Es kann clever und heiter daherkommen, es kann sich betont selbstbewusst und schlagfertig geben, an anderen Tagen wirkt es charmant, kokett und verführerisch, oder gar von schneidendem Intellekt, dann wieder (ver-) urteilend / lobend oder schüchtern- naiv bis übergriffig.

Es kann sich auch betont empathisch oder spirituell geben- mit fatalen Konsequenzen.

Um uns von einschränkenden Ego-Strukturen zu befreien, ist es erforderlich, schonungslos den unendlich vielen Fassetten des Egos ins Gesicht zu blicken und sie nicht gleich wieder zu wegzuschieben. Vielleicht haben wir jahrelang verdrängt, was uns da entgegenblickt.

Möglicherweise war es einfach unerträglich oder wir waren ratlos, sahen keinen anderen Ausweg als die Verdrängung.

Hier gibt es keine andere Möglichkeit, als diese Seiten auszuhalten- im tröstenden Bewusstsein, dass wir NICHT UNSER EGO sind. Uns einzugestehen, wie diese Seiten beschaffen sind, sie sich einzugestehen, sie sogar zu akzeptieren. Hier ist es sehr wichtig, ein „Selbst-Mitgefühl“ für uns zu entwickeln. Das bedeutet, uns nicht für unsere EGO-Erscheinungen zu verurteilen, sondern sie wertfrei zu betrachten und uns für unsere Ehrlichkeit mit uns selbst wertzuschätzen.

Eckhart Tolle formuliert es wie folgt: „Die Freiheit beginnt, wenn du erkennst, dass du mit dem Verstand, dem Denker – dem Ego – nicht identisch bist. Diese Erkenntnis befähigt dich, den Denker zu beobachten.“ Ab dieser Erkenntnis sind wir in einer Übergangsphase mit dem „beobachtenden Denker“ verbunden. Wir betrachten uns und unsere Gedankengänge frei von Verurteilung.

Zumeist entsteht dann ein neuer Raum für innere Ruhe, ein Gefühl von Frieden, Dankbarkeit, manchmal gar Demut, ein Zustand jenseits von Raum und Zeit, Verbundenheit und Mitgefühl mit unseren Mitmenschen. Je mehr sich dieser friedvolle Raum in uns ausbreitet, desto mehr lassen wir die alten EGO-Strukturen los und öffnen uns für ein neues Bewusstsein, das sich nach und nach in uns ausbreitet. Dieser Prozess ist bei jedem anders ausgestaltet.

Manchmal versteckt sich das Ego ausgerechnet dort, wo wir es am wenigsten erwarten.

An diesem Punkt ist mir ein Thema des kollektiven weiblichen Schmerzkörpers sehr stark aufgefallen. Um nicht missverstanden zu werden: Selbstverständlich existiert dieses Thema auf anderen Ebenen ebenfalls für Männer.

Ich habe es eigens erlebt und beobachte es bei vielen Frauen:

Das Phänomen „des lieben Mädchens“: Die Frau, die vollkommen mit der äußeren Erwartung identifiziert ist, jederzeit verständnisvoll zu reagieren und sich in erster Linie zurückzunehmen. Wer würde hinter dieser so scheinbar vorbildlichen Präsenz ein EGO erwarten? Es rief großes Erstaunen bei mir vor, als ich eines Tages hinter diese Fassade blickte und dort ebenfalls eine Form des Egos wahrnahm.

Auch die äußerst zuvorkommende, rücksichtsvolle Persönlichkeit mit geringem Selbstbewusstsein, die sich anderen gegenüber zurücknimmt kann eine EGO-Erscheinung sein.

Frauen wurden lange Zeit in diese Richtung erzogen, entsprechende Muster wurden von Müttern häufig unbewusst an nachkommende Generationen von Töchtern weitergegeben.

Auch hier sollte ein Blick hinter die EGO-Fassade geworfen werden, die nicht weniger bedeutsam ist als die eines übersteigerten Selbstbewusstseins in Form einer Selbst-Überhöhung:

Beide sind gleichwertige Phänomene des Egos.

Die Konsequenzen sehen wir heute nach wie vor, zum Beispiel in Form eines geringen Anteils an weiblichen Führungskräften oder in Form von Kommunikations-Defiziten zwischen Männern und Frauen.

Wir sollten uns also das Recht einzuräumen, mit dem Ego und seinen vielen, bunten Fassetten tagtäglich konfrontiert zu sein. Wir dürfen uns eingestehen, dass ein Ego existiert, das sich auch in uns zeigen kann. Wir dürfen mutig sein und es aushalten, dass dieses Ego Gesichter beinhaltet, auf die wir auf den ersten Blick nicht gerade stolz sind.  

Bei genauerer Betrachtung sollten wir -im Gegenteil – gerade sehr stolz auf uns sein, wenn wir so ehrlich mit uns selbst sind- denn dies ist der wichtigste Schritt auf dem Weg zur Selbsterkenntnis.